Book Launch & Talk | Fluide Grenze, Marie Jeschke

Book Launch & Talk | Fluide Grenze, Marie Jeschke

Book Launch im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Rostock: ein Abend mit Ausstellungsführung, Gesprächen und einem intensiven Austausch über Kunst und Erinnerung.

Wie bringt man Wasser in ein Buch?
Eine zentrale Frage, die sich Marie Jeschke bei der Entwicklung ihrer ersten Monographie immer wieder gestellt hat. Am liebsten hätte sie all ihre Bilder ins Wasser gegeben und ihre Leserschaft dorthin mitgenommen. Denn für Marie Jeschke ist das nicht nur der Ort, an dem ihre Kunstwerke entstehen, sondern auch das Medium, in dem all die Erinnerungen und Informationen eingeschrieben sind. In „Fluide Grenze“ begibt sich die Künstlerin auf ein multisensorisches Nachspüren an Fluchterfahrungen über die nassen Grenzen der ehemaligen DDR.
Eng verwoben mit eigenen biographischen Ereignissen tritt sie immer wieder in einen Dialog mit den Orten sowie auch in regen Austausch mit Historiker:innen wie Dr. Jenny Linek.
Entstanden ist ein Buch, das auch die Fluidität und Gleichzeitigkeit abzubilden vermag, die wir erleben können, wenn wir ins Wasser abtauchen.



Anfang März stellte Marie Jeschke ihr Buch in den Räumen des ehemaligen Stasi-Gefängnisses in Rostock vor und gab gemeinsam mit Kuratorin Susanne Burmeister und Leiterin der Gedenkstätte Dr. Steffi Brüning eine Führung durch die gleichnamige Ausstellung „Fluide Grenze“. Dabei konnten die Besucher:innen nicht nur die für das Buch zugrunde liegenden Kunstwerke entdecken, sondern wurden selbst auf eine Reise zwischen Vergangenheit und Gegenwart mitgenommen. Das sensibel ausgelotete Zusammenspiel von Kunst und Installationen im Raum des ehemaligen Gefängnisses ermöglichte ein tiefes Eintauchen in die Thematik. Abgerundet wurde der Abend durch Schilderungen zum Ort, wie zum Beispiel zum ehemaligen Freiluft-Hof der Insassen, dessen schockierend geringe Fläche heute installativ von Marie Jeschke befüllt wurde. In 135 blauen Eimern hat die Künstlerin 1629 Liter Ostseewasser gesammelt und ausgestellt. Symbolisch für 135 Menschen, die bei Fluchtversuchen über die Ostsee ertrunken sind.



Sichtlich bewegt war der Austausch mit und unter dem Publikum an diesem Abend.
Wir freuen uns, dass „Fluide Grenze“ nun einen permanenten Abdruck des Dargestellten und Erinnerten liefert und somit einen wichtigen Beitrag zu unserer Erinnerungskultur leistet, der weit über die Kunstszene hinausgeht.

Text: Luisa Voita